Organisationen wie das Rote Kreuz beschäftigen sich schon lange mit der Konzipierung von mobilen Notfalleinheiten für den Einsatz in Krisengebieten, die innerhalb von 72 Stunden einsatzbereit sind. Um Epidemien wie Cholera oder Typhus vorzubeugen, die bei mangelnder Hygiene in Notfallagern ein großes Problem sind, wurde nun beschlossen, diese Notfalleinheiten um eine weitere Komponente zu ergänzen: In mobilen Biogasanlagen sollen die in den menschlichen Fäkalien vorhandenen pathogenen Keime abgetötet werden.
Das Internationale Biogas- und Bioenergie-Kompetenzzentrum (IBBK Fachgruppe Biogas GmbH, Kirchberg an der Jagst) ist deutscher Partner des aus zwölf europäischen Einrichtungen bestehenden Konsortiums. Die englische Bechreibung lautet: Rapid deployable kits as seeds for self-recovery, abgekürzt S(p)eed-Kits. Partner sind unter anderem das Niederländische Rote Kreuz, andere humanitäre Organisationen sowie Firmen und Forschungseinrichtungen.
Zu den Aufgaben der IBBK gehören zum einen die Entwicklung eines mobilen Sammelsystems, das in der Lage sein muß, die menschlichen Exkremente aus den in den Lagern verteilten Toiletten bedienerfreundlich und sauber aufnehmen zu können. Eine weitere Herausforderung ist die Entwicklung der eigentlichen Biogasanlage: Diese muß mit den gegebenen Substraten – menschlichen Exkrementen und organischen Abfällen, wie sie bei der Feld- und Küchenarbeit anfallen – zuverlässig betrieben werden können. Desweiteren soll die Anlage leicht und gleichzeitig stabil gebaut sein, sie muß einfach auf- wie abzubauen und einfach zu betreiben sein.
Der eigentliche Fermenter soll in seiner Form flexibel sein, gleiches gilt für einen möglichen Gasspeicher. Die Auswahl der richtigen Materialien ist von größter Bedeutung, denn sie müssen UV- und hitzebeständig, sowie reiß- und stichfest sein. Der Zweck dieser Biogasanlage ist primär, die pathogenen Keime der menschlichen Ausscheidungen abzutöten. Dies stellt die Experten vor viele Fragen zu den optimalen Werten für die Betriebsparameter: Temperatur, Verweilzeiten, Substratzusammensetzungen und anderes. Erst zweitrangig soll die Anlage auch Biogas produzieren, das die Menschen zum Kochen und Heizen nutzen können. Die geschätzte Menge an Biogas pro Einheit wird allerdings nur die Grundversorgung mit Brennstoff sicherstellen können, da der Energiegehalt der eingesetzten Substrate eher gering ist.
Trotzdem läßt sich durch die Nutzung des anfallenden Biogases eine nicht unwesentliche Menge an fossilen Brennstoffen ersetzen. Eine Lösung muß auch für die Versorgung der elektrischen Komponenten der Anlagemgefunden werden. Dazu gehören Rührwerke und die Umwälzpumpe für die Fer menterheizung. Außerdem muß sichergestellt werden können, daß der Fermenter ausreichend geheizt wird. Für den anfallenden Gärrest muß ebenfalls eine handhabbare Lösung erarbeitet werden. Kann der Gärrest nicht landwirtschaftlich in unmittelbarer Nähe zum Lager genutzt werden, besteht nur die Möglichkeit, ihn in einem Speicher zu sammeln und abzutransportieren.